Intimitäts-Koordination

Simulierte Intimität braucht klare Strukturen, um für alle Beteiligten transparent, konsensorientiert und reproduzierbar zu sein. Intimitäts-Koordination schafft sichere Rahmenbedingungen und Qualität in der künstlerischen Arbeit.

Die Arbeit mit Intimität auf der Opernbühne stellt eine besondere Herausforderung dar: Sänger:innen bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen hoher körperlicher Präsenz, musikalischer Präzision unter Einbeziehung von Gesangstechnik und der Darstellung hoch emotionaler Inhalte. Dabei greifen persönliche und darstellerische Ebenen oft ineinander, insbesondere in Phasen intensiver Probenarbeit und unter dem Leistungsdruck der Vorstellung. 

Intimität ist simuliert und bedarf einer Choreografie, muss reproduzierbar sein und kann nur durch ein hohes Maß an Präzision die gewünschte Qualität sicherstellen. Das gilt besonders für Opernproduktionen, die im Repertoirebetrieb – oft nach Jahren und in einer anderen Besetzung – wiederaufgenommen werden.

Als Intimitäts-Koordinatorin schaffe ich ein Sicherheitskonzept für die Darsteller:innen und erarbeite in enger Abstimmung mit der Regie eine Choreografie, die das Storytelling einer intimen Szene unterstützt.

Fotos von Brinkhoff/Mögenburg

Vorgehensweise

Die Schaffung eines sicheren, konsensorientierten Rahmens für alle Beteiligten in Proben- und Aufführungssituationen
Die Vermittlung von Werkzeugen für Kommunikation, Grenzklärung und körperliche Selbstbestimmung – angepasst an die spezifischen Arbeitsweisen und Anforderungen des Musiktheaters
Die Berücksichtigung institutioneller Strukturen und Produktionsbedingungen in der Konzeptentwicklung (zeitliche Disposition, Zusammensetzung Ensemble, Vorkenntnisse, Arbeitskultur am Haus)
Enge Abstimmung, Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Regie unter Berücksichtigung von Storytelling: Was wollen wir mit der intimen Szene aussagen und bewirken?
Die konkrete Anleitung (Choreografie) Begleitung bei der Umsetzung intimer Szenen (Kuss, Nacktheit, einvernehmlicher Sex, sexualisierte Gewaltszenen, Machtmissbrauch)
Reproduzierbarkeit der Choreografie und Bereitstellung des Materials für die Spielleitung und Inspizienz, zur Qualitätssicherung und im Repertoirebetrieb
Dokumentation (Gefährdungsbeurteilung, Einverständniserklärungen über Nacktheit und Intimität), Evaluation zur Qualitätssicherung, Feedback meiner Arbeit
Foto von Dominik Odenkirchen

Expertise und Vision

Mit meiner Erfahrung aus dem Opernbetrieb und der Ausbildung in Intimitäts-Koordination verbinde ich zwei Fachbereiche, die sich gegenseitig bereichern – und entwickle daraus eine spezialisierte Praxis für die Oper.

Seit Juli 2025 bin ich Junior-Mitglied im BIK (Berufsverbands für Intimitätskoordination und Kampfchoreografie Deutschland). Die Ausbildung zur Intimitätskoordinatorin (IC) absolviere ich u. a. am Institut TIE (Theatrical Intimacy Education) Asheville, NC.

Mein langfristiges Ziel ist es, einen Beitrag zur strukturellen Etablierung von Intimitäts-Koordination und Intimitäts-Choreografie als selbstverständlichen Bestandteil professioneller künstlerischer Praxis zu leisten. Im hochspezialisierten Bereich der Oper, der sich erst allmählich in einem Prozess der Auseinandersetzung mit bestehenden Strukturen, Machtverhältnissen und Hierarchien befindet, bedarf es einer gezielten und sensiblen Herangehensweise, die genau auf die Bedürfnisse der agierenden Darsteller:innen und Mitarbeitenden abgestimmt ist.